ERASMUS+ Praktikum

Das Abenteuer „Montpellier“

Um die erste Woche entspannt ausklingen zu lassen, beschlossen meine Mitbewohnerin und ich, am Freitagabend das Nachtleben von Perpignan kennenzulernen. Ziemlich spontan trafen wir uns also mit einer britischen, zwei dänischen und zwei weiteren deutschen ERASMUS-Praktikanten in einer nahegelegenen Bar. Ein paar Drinks und nette Gespräche ließen zunächst auf einen nicht allzu ungewöhnlichen Abend schließen. Dass dieser Abend – ja eigentlich das ganze Wochenende – eine solche Entwicklung nehmen würde, hätte jedoch wohl keiner von uns geahnt …

Ich in der Barmeile vor meinem Apartment // ISO 200, 1/13Sek, f/1,7

„Und, was sind eure Pläne so fürs Wochenende?“ – diese Frage war der Auslöser für ein absolut unvergessliches Wochenende. Natürliche hatte ich noch keine Pläne für meine freien Tage. Ich meine klar, irgendwann wollte ich mir mal Toulouse und die anderen schönen Städte in der Umgebung ansehen. Aber da war noch nichts Konkretes. „Also wir fahren nach Montpellier“, teilten die zwei deutschen Jungs mit. „Morgen. Ihr könnt mitkommen?!“ Wenn das kein Angebot ist! Natürlich sagte ich Ja und damit war es beschlossene Sache. Ich würde am Samstag nach Montpellier fahren! Der Bus war schon gebucht, kaum hatten wir darüber gesprochen und ein günstiges Apartment fanden wir auch. Was sollte dem Ausflug also noch im Weg stehen?

Wir waren insgesamt fünf als wir Samstagvormittag in den Bus stiegen – die zwei Jungs von Freitag, meine Mitbewohnerin und die Britin. Wir nutzten die Fahrt um einander etwas besser kennenzulernen und die Aussicht zu genießen. Und die war wirklich ein Genuss: zur Linken eine wunderschöne mediterrane Berglandschaft, zur Rechten eine steinige Bucht und dahinter das endlose Meer. Wie ein Gemälde lag die atemberaubende Landschaft Südfrankreichs vor uns und wir waren auf dem Weg in eine ihrer schönsten Städte.

Aussicht aus dem Bus // ISO 40, 1/320 Sek, f/1,7

Zwei Stunden später erreichten wir den etwas abseits des Zentrums liegenden Busbahnhof von Montpellier. Mit der Straßenbahn erreichten wir in wenigen Minuten die Innenstadt und machten uns auf zu einem kleinen Spaziergang durch die etwa 10 km von der Mittelmeerküste entfernte Stadt. Schon auf den ersten Metern unserer Tour löste dieser Ort große Begeisterung bei uns allen aus; die palmenreiche Straße, die vom Bahnhof zum Place de la Comédie führt, die Bauwerke im klassizistischen Stil und jene, die mit ihrer modernen Architektur einen Kontrast zu ihnen bilden, die Parks und die zahlreichen, prächtigen Springbrunnen sorgten dafür, dass wir alle paar Meter stehen blieben, um diese wundervollen Motive in ein paar Bildern einzufangen.

Palmenreiche Straßen auf dem Weg ins Stadtzentrum // ISO 40, 1/2500 Sek, f/1,7
Platz mit Brunnen // ISO 40, 1/2000 Sek, f/1,7
„Victoire de Samothrace“ Statue aus Griechenland aus dem Jahr 100v. Chr. // ISO 40, 1/4000 Sek, f/1,7

Soweit lief alles fantastisch.

Hungrig vom Laufen machten wir uns schließlich auf die Suche nach etwas Essbarem und wurden bald fündig. Ein schickes Restaurant direkt am Ufer des Flusses Lez lockte mit leckeren Mittagsangeboten zu erstaunlich guten Preisen. Das war der erste Fehler an diesem Tag. Zu glauben, dass ein gutes französisches Restaurant auch günstig sein kann. Nach einem winzigen Burger und einer Handvoll Pommes war keiner von uns satt, aber da die Zeit drängte, machten wir uns auf den Weg zu unserem Apartment. Das war Fehler Nummer zwei.

Im Nachhinein klingt es zu logisch, dass man wahrscheinlich auf einen Betrug reingefallen ist, wenn der Vermieter des Apartments zuerst Geld verlangt und dann nach mehrmaligem Anrufen dennoch die Kontaktaufnahme verweigert. Trotzdem marschierten wir gutgläubig-optimistisch eine geschlagene Dreiviertelstunde stadtauswärts zu unserer Unterkunft, um dort nach einer weiteren Stunde des Wartens auf den Besitzer einzusehen, dass wir uns womöglich nach etwas anderem umsehen müssen. Wir fuhren zurück ins Stadtzentrum, denn die Jungs wollten unbedingt Captain Marvel sehen und da der Film in Englisch lief und sonst nichts weiter geplant war, gaben wir Mädels uns geschlagen und begleiteten sie.

Etwas müde vom Kino und noch immer hungrig machten wir uns – für diese Nacht nun offiziell obdachlos – erneut auf die Suche nach einem Restaurant, dass unseren Hunger wirklich stillen würde. Wir fanden einen sehr guten Italiener in der Nähe des Kinos und kamen bei wirklich unglaublich guten Pizzen ein wenig zur Ruhe. Doch noch immer stellte sich uns die Frage: wie würde der weitere Abend verlaufen und vor allem wo würden wir bleiben? Unsere Rückfahrtickets waren bereits gebucht, für Sonntag um halb 10. Selbst für hoch motivierte Feierlustige ist das eine lange Zeit zum Wachbleiben. Also machten wir uns erneut auf die Suche nach einem halbwegs erschwinglichen, vertrauenswürdigen Hotel, fanden schließlich eins und fielen dann, ohne noch einmal einen Schritt nach draußen (geschweige denn in einen Club oder eine Bar) zu setzen, um halb 2 müde in unsere Betten. Die Nacht würde kurz werden, denn um halb 10 ging es schon wieder zurück nach Perpignan…

Trotz der zu erwartenden Müdigkeit, dem Apartment-Fehltritt, einer ohnehin überflüssigen Übernachtung in einem teuren Hotel (denn zwei Stunden Busfahrt hätten wir am Abend locker noch gemeistert) und einem verhältnismäßig unspektakulären Abend kann ich nur sagen, dass es ein wirklich schöner und vor allem unvergesslicher Ausflug war. Eben ein richtiges Abenteuer, wie wir alle fanden. Wo man nicht wusste, was als nächstes passieren würde und welche Wendung die Geschichte nehmen würde. Und so kann ich den ersten Haken auf meiner Perpignan-Bucket-Liste setzen: Besuch einer traumhaften Stadt in der Umgebung? Check!

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