ERASMUS+ Praktikum

Ein Tag am Strand

Als ich erfahren habe, dass ich mein Auslandspraktikum in Südfrankreich machen würde, war das Erste was ich tat, die Entfernung zum Strand zu überprüfen. ‚Das ist ja gleich um die Ecke!‘ dachte ich damals. Weit gefehlt. Mindestens ein Ausflug zum Mittelmeer sollte während meines fünfwöchigen Aufenthalts hier natürlich trotzdem drin sein.

Am Sonntag war es dann soweit; meine neue Mitbewohnerin hatte unsere WG schon vor ein paar Tagen gefragt, ob wir nicht alle gemeinsam zum Meer fahren wollten. Ich war begeistert und auch wenn nicht alle meine Begeisterung teilten, machten wir uns zu dritt gegen Mittag mit Handtüchern und Picknickkorb ausgestattet auf den Weg nach Canet – den nächstgelegensten Ort an der Mittelmeerküste. Dass es zu kalt zum Baden sein würde, war offensichtlich. Denn auch wenn ich mich hier rund 1000 Kilometer südlicher befinde als gewöhnlich, ist hier im April der Sommer noch nicht eingebrochen. Doch wir hofften auf ein paar Sonnenstrahlen und ein wenig blauen Himmel.

Doch zunächst müssten wir erstmal aus der Stadt kommen und das stellte sich als schwieriger als erwartet heraus. Bereits letzte Woche hatten wir die Erfahrung gemacht, dass es einem nicht leicht gemacht wird, Perpignan an einem Sonntag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu verlassen. Es gibt zwar einige Buslinien, die ständig fahren, aber dann gibt es da noch solche, die man einen Tag zuvor fahren anrufen muss, um sicher zu stellen, dass sie einen wirklich abholen. Darauf muss man erstmal kommen als Berliner Stadtkind! Nun standen wir also wieder einmal an der Bushaltestelle und warteten vergeblich auf unseren Bus. Glücklicherweise scheint Canet ein beliebter Ausflugsort zu sein und so gab es eine Alternativlinie, die uns schließlich anderthalb Stunden später als ursprünglich geplant zum Strand brachte – oder zumindest in die Nähe davon. Ich hatte eine falsche Adresse in die Navigation eingegeben und so folgte auf eine 30-minütige Busfahrt eine 40-minütige Wanderung. Irgendwie muss man sich ja fit halten.

Strand von Canet // ISO 200, 1/1600 Sek, f/3,9

Endlich am Strand angekommen, mussten wir uns dann wohl alle die Enttäuschung eingestehen: Wolken, Wind, und nicht mal die Idee eines Sonnenstrahls. In der Mitte des ohnehin ziemlich langweiligen Strandes war eine große Baustelle, irgendein Beach-Club sollte da entstehen oder umgebaut werden. Eine ganze Reihe symmetrisch angeordneter Schirme, die bei eventuellem Sonneneinfall Schatten spenden würden, schienen einen mehr oder weniger einladenden Picknick-Platz zu bieten und so ließen wir uns in der Nähe von einem nieder. Schweigend beobachteten wir Jetski-Fahrer und Stand-up-Paddle, während wir versuchten, unsere liebevoll vorbereiteten Snacks zu genießen.

Ich am Strand unter einem der Schirme // ISO 40, 1/2000 Sek, f/1,7

Nach etwa einer halben Stunde und ein paar Dutzend Fotos – man müsste ja wenigstens so tun können, als hätte man einen schönen Tag am Strand gehabt – beschlossen wir, dass wir genug vom Meer und seinem eisigen Wind hatten. Jetzt muss dringend etwas Warmes her! Ein Tee wäre genau das Richtige.

Immerhin ein wenig blauer Himmel kommt für uns zum Vorschein // ISO 200, 1/4000 Sek, f/2,8

Es ist erstaunlich, wie sehr sich Frankreich in so vieler Hinsicht von Deutschland unterscheidet; während der Sonntag in Deutschland (oder zumindest in Berlin und Umgebung) DER Tag ist, um mit der Familie essen oder mit Freunden einen Kaffee trinken zu gehen, ist es hier schwer, überhaupt ein geöffnetes Café oder Restaurant zu finden! Nach langer Suche fanden wir schließlich ein gut gefülltes, ziemlich einladend aussehendes Lokal. Wir waren ein wenig unter Zeitdruck, denn unser Bus sollte in einer halben Stunde abfahren, der nächste erst eine Stunde darauf. Doch den Kellner schien das nicht ansatzweise zu interessieren. Auf mehrfache Nachfrage hin erhielten wir nach einer Viertelstunde EINE Speisekarte. Bis unsere Getränke endlich eintrafen, blieben mir noch knappe 7 Minuten, um meinen heißen, nicht meiner Bestellung entsprechenden Tee hinunterzukippen. Jetzt bloß nicht den Bus verpassen. Nach dem Ausflug verstehe ich, warum man hier vielleicht besser dran ist, wenn man sonntags zuhause bleibt…

2 Kommentare

  • Deine Ma

    Deine Blog Artikel sind wie ein richtig gutes Buch: man will garnicht aufhören zu lesen! Und die Fortsetzung erwartet man schon sehnsüchtig !!!!
    Ich will mehr 😉

    • Sofie

      Danke für dieses wundervolle Feedback! Deine lieben Worte bauen mich immer wieder auf und motivieren mich immer wieder aufs Neue :*

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