ERASMUS+ Praktikum

Überraschungen

Es ist mitten in der Woche und ich habe mal wieder einen freien Tag. Nachdem ich ein sehr langes, entspanntes Frühstück im Bett genossen habe, beschloss ich, dass es schön wäre, sich ein wenig die Füße zu vertreten. Der ziemlich graue Morgen hatte sich zu einem ziemlich sonnigen Vormittag entwickelt und da ich eh noch ein paar Dinge in der Stadt zu erledigen hatte, zögerte ich nicht lange, schnappte mir meine Tasche und zog los.

Schon von meinem Apartment aus konnte ich sehen, dass die Stadt heute irgendwie anders aussah; die üblicherweise ordentlich geputzten, mit Fußgängern gefüllten Wege der Altstadt wurde heute zudem von kleinen Marktständen geziert. Über Lautsprecher tönte klassische Musik durch die Straßen und irgendwie wirkte die Stadt heute insgesamt etwas lebendiger als sonst.

Da ich nichts weiter zu tun hatte, weitete ich meinen Spaziergang durch die Stadt noch ein wenig aus und war überrascht, was ich so entdeckte. Überall, ja beinahe an jeder Ecke, befanden sich kleine Marktstände, an denen ihre Verkäufer versuchten, alle möglichen Dinge an den Mann (oder die Frau, wie man zu Zeiten der weiblichen Emanzipation zu sagen pflegt) zu bringen – Bücher, Obst, Gemüse, Kräuter und sogar lebendige Weinbergschnecken wurden hier angeboten! Nicht, dass ich diese seltsame französische Spezialität nicht kennen würde, ich habe bereits vor ein paar Jahren unwissentlich (und unwillentlich) die Erfahrung ihres Geschmacks auf einer französischen Pizza gemacht. Allerdings war das tatsächlich das erste Mal, dass ich dieser etwas befremdlichen Delikatesse hier im Süden begegnete – bis dahin bin ich davon ausgegangen, dass sie vorrangig im Norden Frankreichs verzehrt werden würde. Aber man lernt nie aus.

Les Escargots frais – frische Schnecken // ISO 40, 1/320 Sek, f/1,7
schmackhafte Schönheiten // ISO 50, 1/100 Sek, f/1,7

Neben den zahlreichen Marktständen fiel mir auf, dass heute deutlich mehr Geschäfte geöffnet waren. Bereits im Laufe der letzten Wochen bemerkte ich, dass sich die Arbeitswelt hier deutlich von der in Deutschland unterscheidet. So weitet man hier in vielen Geschäften das Wochenende noch auf den Montag aus und gönnt sich zudem nicht selten eine Mittagspause, in der die Türen auch mal für eine Weile geschlossen bleiben. Aber heute sah es ganz anders aus, heute war hier richtig was los! Nach meiner kleinen Entdeckungstour beschloss ich, diesem sonnigen Vormittag mit einer schönen Tasse Kaffee das i-Tüpfelchen zu verleihen. Am Place de la République wimmelt es nur so von Cafés und so suchte ich mir den sonnigsten Platz und bestellte ohne in die Karte zu schauen un café. Als der Kellner wenige Minuten später mit einer winzigen Tasse und einem Glas Wasser zurückkehrte, schaute ich zugegebenermaßen ein wenig verwundert drein. Dass ich womöglich statt meines geliebten schwarzen Kaffees einen Milchkaffee erhalten könnte, damit hatte ich schon gerechnet – aber ein Espresso? Diese Stadt hält eben doch immer ein paar Überraschungen für einen bereit.

Kaffee der französischen Art // ISO 40, 1/6400 Sek, f/1,7

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.