Valencia

Von Pistazieneis und Sangria – meine Eindrücke vom Spontanurlaub nach Valencia

Zwei Woche ist mein – viel zu kurzer – Urlaub nun schon her. Der Arbeitsalltag ist allmählich wieder eingekehrt und hin und wieder ertappe ich mich dabei, wie ich schon die Wochen bis zur nächsten Reise zähle. Doch noch immer kann ich die Meeresluft riechen, den heißen Sand unter meinen Füßen spüren und den Geschmack von eisgekühlter Sangria schmecken … Dies sind die Eindrücke und Erinnerungen von meinem bisher spontansten Urlaub nach Valencia.

Tag 1 – Ankunft

Verdammt früh klingelte am Sonntagmorgen mein Wecker, doch das bevorstehende Ereignis sollte all die Müdigkeit wert sein. Es geht nach Spanien! Gegen halb sechs traf ich am 7. Juli meine beste Freundin am ungewohnt leeren Tegeler Flughafen. Mit jeder Minute Wartezeit stieg die Aufregung und Vorfreude in uns und während ich mich schon danach sehnte, endlich mal wieder über den Wolken zu sein, graute es meiner Freundin schon vor den knapp vier Stunden Flug, die durch einen kurzen Stopp in München unterbrochen sein würden.

Über den Wolken

Nach einer unverhofft langen Anreise vom Flughafen erreichten wir gegen Nachmittag endlich unser Hostel. Beinahe verpassten wir den winzigen Eingang des eher wenig einladend aussehenden Gebäudes, in dem uns nicht nur eine böse Überraschung erwarten sollte. Hochmotiviert, endlich unser Zimmer zu sehen, versuchten wir der Dame an der Rezeption auf Englisch zu erklären, dass wir gebucht hatten und gerne einchecken würde. Leider sah diese uns nur verständnislos an – die Spanierin sprach nämlich kein Wort Englisch. Eine geschlagene halbe Stunde versuchten wir uns mit Händen und Füßen und Lisas gebrochenem Spanisch mit ihr zu verständigen, bis sich letztendlich herausstellte, dass wir erst in drei bis vier Stunden unser Zimmer beziehen könnten. Horrorszenario gleich am ersten Urlaubstag? Check.

Die folgenden Stunden verbrachten wir damit, endlich einen Happen spanisches Essen zu uns zu nehmen, bis wir endlich ins Zimmer gehen und uns ein wenig erholen konnten. Das Zimmer selbst war wenig spektakulär; mehr als wir erwartet und dennoch weniger als wir uns erhofft hatten. Spulen wir also lieber vor bis zum Abend, denn der wurde deutlich aufregender …

Ziemlich spontan verließen wir gegen 21 Uhr noch einmal unser Hostel, um die Straßen Valencias unsicher zu machen. Der erste Abend dürfte doch nicht un-zelebriert bleiben! Wir fanden ein schickes Restaurant mit Weinbar – genau das Richtige für uns. Wir bestellten die wahrscheinlich besten Nachos der Welt und tranken viel, viel Wein worauf sehr tiefgründige Gespräche folgten. Nach vielen Stunden voll Gossip, Girls Talk und Gelächter schien sich der Abend so langsam dem Ende entgegen zu neigen, als uns plötzlich ein gutaussehender Typ in etwa unserem Alter auf Deutsch ansprach. Schnell entwickelte sich ein Gespräch mit ihm und seinem Kumpel – beide ERASMUS Studenten wie sich herausstellte – und wir versprachen, uns in den kommenden Tagen wiederzusehen. Um halb zwei fiel ich totmüde ins Bett.

Happy End für den ersten Abend mit Nachos und Wein

Tag 2 – Stadtbummel & Sightseeing

Ziemlich fertig, um nicht zu sagen völlig verkatert, wachte ich am nächsten Morgen auf. Ich brauchte dringend einen Kaffee. Die Rezeptionistin versprach uns am Vortag, dass das Frühstück bei unserer Buchung inkludiert wäre; nach einem kurzen Blick auf das Angebot lehnten wir jedoch dankend ab und machten uns auf die Suche nach dem nächstgelegenen Bäcker, der uns mit der nötigen Dosis Koffein versorgen würde. Mit neuer Energie machten wir uns auf den Weg Richtung Altstadt, 40 Minuten Fußweg laut Google Maps – und das war leider keine Übertreibung. Als wir nach unserer kleinen Wanderung endlich das Stadtzentrum erreichten, wurden wir von einem plötzlichen Gewitter überrascht. „Jetzt schnell in ein schönes Café und Frühstücken!“, das war die Idee, deren Umsetzung schwieriger zu sein schien als erwartet. Es war Mittag, als wir endlich ein gemütliches Lokal fanden, in dem ein fantastischer Bagel und Toast unseren Hunger stillten.

Auch bei Regen eine ausgesprochen schöne Stadt – unser erster Eindruck von der Altstadt
Happy Me

Als wir aufgegessen hatten, hatte sich das Wetter wieder beruhigt und so liefen wir einfach los, völlig kopflos in das Herz der wunderschönen Altstadt von Valencia. Prächtige Gebäude ließen uns immer wieder staunen und die zahlreichen kleinen Boutiquen animierten einfach zum Shoppen. Nach einigen Stunden und zig Tausend Schritten ließen wir uns in einem Eiscafé nieder. Wir genossen jeweils einen prächtigen Eisbecher und genossen einfach das Hier und Jetzt.

Urlaubs-Feelings beim ersten Eisbecher

Die Zeit verflog und mir war plötzlich nach einer Siesta. Scheint als steckt einen die spanische Mentalität schnell an. Den Abend verbrachten wir ganz entspannt in der gleichen Bar wie am Abend zuvor und ließen den Tag noch einmal Revue passieren; schon am ersten Tag in der Stadt wurden wir in vieler Hinsicht überrascht. Positiv war da zum einen, dass die Preise deutlich geringer waren als hierzulande. Auch die Menge an Touristen empfanden wir beide als sehr angenehm, dort scheint alles noch ein wenig entschleunigter zu sein als in den Mega-Metropolen. Leider spiegelt sich das auf der anderen Seite in der Sprache wider. Nur die wenigsten sprechen Englisch und so fiel die Verständigung teilweise etwas schwer.

Tag 3 – Ein Tag am Strand

Am dritten Tag sollte es endlich zum Strand gehen. Da wir keine Ahnung hatten, wo man außerhalb des Stadtzentrums gut Frühstücken konnte, entschieden wir uns letztendlich für ein „Mindestfrühstück“ aus dem Supermarkt. Immerhin gab es so Frühstück am Meer.

Das Wasser war fantastisch! Die Wellen waren erstaunlich stark und so wurde es streng kontrolliert, dass man nicht zu weit rausschwamm. Wir hatten dennoch jede Menge Spaß. Nach einem ordentlichen Sonnenbad, das nicht ohne Folgen bleiben sollte, machten wir uns auf den Weg zurück ins Hostel, als uns plötzlich ein süßes Café auffiel. Die frischen Smoothies dort waren genau die richtige Abkühlung bei der Hitze.

Endlich wieder Sand unter den Füßen spüren!

Zurück in unserer Unterkunft wurde nur schnell das Make up aufgefrischt, um danach schon bald wieder in Richtung Strand zu gehen. Der Plan für den Abend: den valenzianischen Sonnenuntergang bei Pizza und Wein am Strand genießen. Leider haben wir bei diesem Plan zwei grundlegende Dinge nicht beachtet. Erstens: am Strand ist der Konsum von Alkohol ganz offensichtlich nicht gern gesehen und zweitens: die Sonne geht dort nicht über dem Meer unter. Das war zugegebenermaßen nicht ideal, aber selbstverständlich kein Grund für uns, nicht doch noch einen schönen Abend zu verbringen. Ein wenig planlos aber absolut entdeckungslustig liefen wir zurück in Richtung Hostel, wo wir unverhofft ein uns bis dahin völlig unerschlossenes Kneipenviertel entdeckten. Gleich um die Ecke. Wir entschieden uns für eine ungezwungene Bar, in der uns unsere deutsche Urlaubsbekanntschaft Dennis später auf ein Bier Gesellschaft leisten würde.

Dine&Wine – in Valencia leider zu schön, um wahr zu sein

Tag 4 – Back in Town

Was für ein Tag! Nach einem entspannten Frühstück in dem Café vom Vortag machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Irgendwie waren wir mittlerweile so ans Laufen gewöhnt, dass wir gar kein anderes Transportmittel als unsere eigenen Beine in Erwägung zogen. Für diesen Tag stand einiges auf dem Plan: zuerst sollte es in die umschwärmte Markthalle gehen – ein Programmpunkt, der gleich am Anfang für Enttäuschung sorgte. Das prächtige Gebäude ließ viel hoffen, doch der hochwertige Eindruck der Fassade wurde schnell vom Inneren getrübt. Die Gerüche von frischem Fisch und Fleisch sind für eine mitteleuropäische Nase mehr als gewöhnungsbedürftig. Alles andere dort war wenig beeindruckend und ungefähr genauso aufregend wie das Angebot eines jeden anderen Marktes. Wir schlenderten also weiter durch die Stadt und konnten uns auch diesmal vor einer kleinen Shoppingtour nicht zurückhalten. Und was ist schon ein besseres Sommerurlaubs-Souvenir als ein neuer Bikini?

Die Markthalle – um einiges prachtvoller von außen als von innen

Nun aber zurück zur Tagesordnung. Das Eis von unserem letzten Stadtbesuch war einfach so göttlich, dass wir einen Besuch in besagtem Eiscafé als Must in unseren Tagesplan aufnahmen. Kenner-Tipp: Pistazien-Eis – einfach himmlisch! Wir verbrachten Stunden in dem Café, kaffeetrinkend, eisessend, quatschend, schweigend und einfach genießend. Wenn es nach mir geht, ist das der Inbegriff von Urlaub.

An diesem Abend stand etwas ganz Besonderes an. Nachdem wir Valencia nun so oft von „unten“ gesehen haben, wollten wir die hübsche Hafenstadt nun einmal aus der Höhe betrachten. Und was vereint die Bedürfnisse von unternehmungslustigen Urlaubern und leidenschaftlichen Weintrinkern besser als eine Rooftop-Bar? Hin da! Aber zunächst musste ein ordentliches Dinner her. Das viele Laufen und das süße Eis haben uns Lust auf ein herzhaftes Abendessen bereitet. Doch irgendwie scheint es in dieser Stadt schwieriger als irgendwo sonst zu sein, ein vertrauenswürdiges Restaurant zu finden. Selbst Tapas-Bars sind dort Mangelware. Am Ende entschieden wir uns für ein Lokal, dessen Speisen zwar unterirdisch schlecht waren, dafür aber grandiose Agua de Valencia – den traditionell valenzianischen Cocktail – anbot.

Das typisch valenzianische Getränk Agua de Valencia

Gut gelaunt machten wir uns bei beginnender Dämmerung auf die Suche nach der Rooftop-Bar. Doch wie es das Schicksal so will, blieb uns auch diesmal die Sicht auf einen spanischen Sonnenuntergang verwehrt, die Bar war nicht auffindbar. So schlug die heitere Stimmung schnell in miese Laune um und der weitere Verlauf des Abends blieb zunächst offen. Stillschweigend liefen wir stadtauswärts, bis wir bald den Rummel am Stadtrand erreichten. Seit Tagen jammerte ich, wie gerne ich mit dem Riesenrad fahren würde und so willigte Lisa schließlich ein. Und diese Riesenradfahrt sollte uns sicher in Erinnerung bleiben. Nicht dass ich spanischen Konstruktionen nicht vertrauen würde, doch dieses Fahrgeschäft wäre sicher durch keine deutsche Sicherheitskontrolle gekommen. Das Knarren der Gondeln war noch das Harmloseste an der Sache, viel angsteinflößender war, wie schief diese hingen und mit welcher Geschwindigkeit uns das wackelige Ding Runde für Runde in den Himmel schwang. Zumindest war der Ärger über das Rooftop-Bar-Desaster vergessen.

Immerhin die Aussicht war ein Genuss …

Nach einem kurzen Abstecher in der Unterkunft ließen wir den Abend sehr entspannt in unserer neu entdeckten Bar im Kneipenviertel ausklingen.

Tag 5 – Die Uhr tickt

Der letzte Tag (vor Ort) war angebrochen. Was dieser für uns bereithielt? Ein ausgiebiges Frühstück im Café, einen Spaziergang zum Strand und Sonnen, Sonnen, Sonnen. Zwischendurch eine kurze „Abkühlung“ im Meer und sonst – ein richtig gekonntes „In-den-Tag-hineinleben“. Einfach schön.

Die spanische Sonne ein letztes Mal am Strand genießen

Tag 6 – Aufbruch

Viel zu früh waren wir an jenem Morgen am Flughafen von Valencia. Auf stundenlanges Zeittotschlagen folgte ein verspäteter Abflug mit böser Überraschung: unser Weiterflug von Frankfurt nach Berlin wurde gecancelt. Unwetter. Doch wir waren nicht die einzigen. Noch nie habe ich solchen Trubel an einem Flughafen erlebt. Alle Welt schien in Frankfurt festzustecken und um ein neues Flugticket zu ringen. Irgendwie gelang es uns, die scheinbar endlos lange Schlange am Service-Schalter zu umgehen und neue Flugtickets für den nächsten Tag sowie ein Hotelzimmer in der Nähe zu ergattern. Sicher nicht die Art, wie wir uns das Ende unseres Urlaubs vorgestellt haben, aber allenfalls besser als eine achtstündige Zugfahrt.

Auf ein ausgiebiges Dinner am Hotelbuffet auf Kosten der Lufthansa folgten zwei Cocktails in der Hotelbar. Irgendwie muss man den Schreck ja verarbeiten. Und es scheint als würde zumindest an diesem Abend unsere Gebete erhört, denn am nächsten Tag erreichten wir Tegel Airport sicher und halbwegs problemlos.

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