Berlin

Von kulinarischen Ausflügen und Dankbarkeit

Der Flug ist gecancelt, die Urlaubspläne durchkreuzt und wann und wohin die nächste Reise geht, steht in den Sternen: ja, die Corona-Krise macht es uns Reiseliebhabern wirklich nicht leicht. Die endlosen Tage und Stunden, die wir nun völlig isoliert zuhause verbringen (müssen), würden auch einfach so viel schneller vergehen, wenn wir sie mit der Planung der nächsten Südseereise füllen könnten. Doch was hilft es jetzt schon, den Kopf in den Sand zu stecken? Die viele freie Zeit lässt sich doch so viel besser nutzen, als ständig nur das Negative zu sehen. Zum Beispiel mit einer Extraportion Optimismus, guter Laune und Dankbarkeit – und vielleicht auch dem ein oder anderen Gedanken über unser Reiseverhalten …

Wie aus dem Nichts wurden wir aus unserem fest verplanten, akkurat getakteten und so sorgfältig strukturierten Alltag gerissen als Covid-19 Deutschland überrollte. Das Büro verlagert sich ins Wohnzimmer, ebenso das Fitnessstudio, Freunde sieht man nur noch per Videochat, Party geht jetzt über Livestream – aber bitte nicht zu laut, die Nachbarn sind ja jetzt auch ständig da – und statt dem Stammtisch in der Bar heißt es jetzt Weinabend in der Küche. All unsere liebgewonnenen und dennoch für selbstverständlich erachteten Alltagsrituale verschwinden plötzlich aus unseren Leben. Was bleibt, ist ganz viel Zeit mit sich selbst. Und vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Ich glaube, dass wir die vielen kleinen Dinge des Alltags schlicht zu schätzen vergessen haben. Sei es der spontane Spaziergang bei Sonnenschein, das Lächeln eines Fremden oder einfach die Gesellschaft unserer Freunde und Mitmenschen. Zeit, all das nachzuholen! Viel zu oft ärgern wir uns über andere, über Nichtigkeiten oder Missgeschicke. Doch viel zu selten sagen wir einfach mal Danke für all das, was wir haben und was für uns zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Und dazu zähle ich auch die Freiheit, wann immer wir wollen unsere Koffer zu packen und unserem Alltag zu entfliehen.

Reisen ist ein wunderbarer Luxus, doch vielleicht ist diese Pandemie, die unser Leben auf Pause schaltet, der Aufruf, auch unser Reiseverhalten einmal mehr kritisch zu überdenken. Ist es wirklich nötig, drei mal im Jahr ins Flugzeug zu steigen? Muss es wirklich der Flug nach Asien oder Amerika sein oder genügt diesmal Europa? Ich will nicht den Moralapostel spielen und alle Welt dazu bewegen, nicht mehr in den Urlaub zu fliegen. Ich liebe es, die Welt zu entdecken – auch über die europäischen Grenzen hinweg. Aber gerade deshalb sehe ich mich ganz besonders in der Verantwortung, mein eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen. Denn vielleicht lässt sich ja eine gute Balance zwischen Langstreckenflug und Genuss der heimischen Sonne finden?

Nun steht diese Frage angesichts der aktuellen Situation ja eigentlich ohnehin nicht zur Debatte. Die größten Abenteuer, die in den kommenden Wochen auf uns zukommen werden, sind wohl die Schlachten um die letzten Packungen Klopapier im nächstgelegenen Supermarkt. Dass der Sommerurlaub wohl ins Wasser fällt, zeichnete sich ja nun schon seit Wochen ab. Und mittlerweile habe ich mich auch von der Idee verabschiedet, endlich mal das Münchner Oktoberfest zu besuchen. Doch anstatt in Fernweh zu versinken, sollten wir lieber in Erinnerung schwelgen! Ist es nicht immer wieder ein Genuss, durch alte Fotos und Reisetagebücher zu blättern und das wohlige Gefühl von Urlaub aufleben zu lassen? Denn versprochen, das kommt auch auf dem Sofa auf. Oder wie wäre es mit einem kulinarischen Ausflug? Der funktioniert bestens von der heimischen Küche aus und macht die Wartezeit auf die nächste Reise ein klein wenig angenehmer…

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