Berlin

Geheimnisvolle Entdeckungen

Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, der Duft von Sommer liegt in der Luft. Auch wenn die Einschränkungen durch die Pandemie noch immer allgegenwärtig sind, zieht es uns doch – oder gerade deshalb – immer wieder nach draußen. Der Sommer will erlebt, genossen und in Erinnerung behalten werden – und dafür ist garantiert nicht immer eine Reise in die Ferne nötig. ‚Das Gute liegt oft so nah‘ heißt es und vielleicht ist es gerade diese außergewöhnliche Situation, die uns die schönen kleinen Dinge wieder näherbringt.

Vergangenes Wochenende also habe auch ich mich einmal aufs Neue auf die Suche nach schönen Plätzen in der Region gemacht. Zugegebenermaßen nicht ganz planlos; im Zuge meiner Leidenschaft für alte verfallene Gebäude standen die Lungenheilstätten am Grabowsee schon lange auf meiner Bucket List. Meine Kamera hatte das Tageslicht schon viel zu lange nicht mehr gesehen und so sah ich die perfekte Gelegenheit für einen kleinen Sonntagsausflug ins heimische Brandenburg.

Nach einer guten halben Stunde Fahrt erreichten wir das tief im Wald verborgene Gelände der ehemaligen Heilstätte und sowjetischen Lazaretts in Oranienburg. Trotz einer beträchtlichen Anzahl parkender Autos, die auf eine Menge Besucher schließen ließen, herrschte eine angenehme, nahezu unheimliche Stille rund um das ruinenhafte Terrain. Von Stacheldrahtzaun bewacht ragten die verfallenen Überreste der urigen Bauwerke in die Höhe. Voller Abenteuerlust machten wir uns auf die Suche nach einem Eingang, der uns endlich Einblicke in das gespenstische Anwesen geben würde. Beinahe resigniert wollten wir uns nach der vergeblichen Suche auf dem Weg zum See machen, um wenigstens den Weg hierher nicht umsonst gemacht zu haben, als uns kurzum ein Mann auf dem gut gesicherten Gelände Zutritt gewährte. Nach einer kurzen Einweisung in den Aufbau des Geländes (und einem nicht unerheblichen Eintrittsgeld „zur Sicherung des Geländes“) entließ er uns auf unsere Expedition.

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, aber das überstieg bei Weitem meine Vorstellungen. Das weitläufige Gelände beherbergte eine Vielzahl imposanter Gebäude, die sich wiederum in verschiedene Trakte unterteilten. Die verschiedenen Bauten waren unterschiedlich gut erhalten und jedes Bauwerk, jeder Raum, jeder Flur, jedes Möbelstück hatte seine ganz eigene Wirkung. Als würde alles, was sich dort befand, eine eigene Geschichte erzählen.

Ich kann mir genau vorstellen, wie vor rund 75 Jahren die Patienten und Pfleger in dem großen Raum mit dem herrlichen Flügel saßen und den Klängen eines begabten Pianisten lauschten. Oder wie ein Kranker auf dem hellen Balkon die frische Luft einatmete und dem Klang der Vögel lauschte und die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages aufsog. Oder wie sich ein leidender Bewohner den Behandlungen in einem der schaurigen Behandlungszimmer unterzog, in der Hoffnung, eines Tages die Stätten geheilt verlassen zu können.

Ich hätte noch Stunden, wahrscheinlich sogar Tage dort verbringen können, jeden Winkel der Anstalt erkunden können, die 1:1 einem Horrorfilm entsprungen sein könnte. Endlose künstlerische Möglichkeiten ließen hier das Fotografenherz höherschlagen. Und bei manchem Anblick auch den Atem stocken. Auf der Suche nach einem Ausbruch aus dem Alltag, ein wenig Nervenkitzel und einen Ausflug der besonderen Art, ist die Lungenheilstätte Grabowsee auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Adresse

Heilstätte Grabowsee, Malzer Weg 16515 Oranienburg

Eintritt

  • nur Besichtigung – 10€
  • Smartphone-Fotografen – 20€
  • „professionelle“ Fotografen (mit Kameraausstattung – 30€

2 Kommentare

  • Eva Hubein

    Wunderschön wiedergegeben, wie beeindruckend der eine oder andere Raum in dieser ehemaligen Heilanstalt auf dich gewirkt hat.
    Mich hat nicht selten ein beklommenes Gefühl, manchmal sogar ein Anflug von Angst überfallen, wenn hinter meinem geistigen Auge der „OP-Saal“ oder der Trakt mit den extrem kleinen Räumen zum Leben erwacht & meine Fantasie „in einen düsteren Umhang“ hüllt. Wie du schon richtig sagst: Kulisse für Gruselfilme ist gegeben 😉

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