Köln

Kurzurlaub Köln

An einem trüben Sonntagnachmittag im Juli 2020, während eines ausgedehnten Telefonats, philosophierten zwei Freundinnen darüber, wie schön es doch wäre, einfach mal dem Alltag zu entfliehen. Vier Wochen später saßen meine Freundin Rike aus Dresden und ich im Zug nach Köln. Das ist die Geschichte von drei Tagen sommerlicher Alltagsflucht.

Tag 1

Nach einer sonnigen Begrüßung am Kölner Hauptbahnhof am vergangenen Dienstagnachmittag überraschten uns Wolkenbruch und Starkregen in den frühen Abendstunden und ließ uns kurzerhand in ein kleines italienisches Lokal namens „PizzaPastaLucca“ flüchten. Dass dies zu einem äußerst vielversprechenden Abend führen sollte, wussten wir damals noch nicht. Dass die Wahl des Restaurants definitiv schlechter hätte ausfallen können, wussten wir spätestens bei dem ersten Glas wunderbaren Wein. Wir stießen auf unseren ersten gemeinsamen Abend in der uns beiden bis dato völlig fremden Stadt an und schon wurden wir mit ein paar Sonnenstrahlen und einem Regenbogen an der Kölner Skyline belohnt.

Die Zeit verflog an jenem Abend. Nachdem wir Pizza und Pasta genossen hatten (die mit Abstand beste Pizza, die ich seit langem gegessen habe!), leerten und füllten sich unsere Weingläser stetig, die Atmosphäre im Lokal wurde zunehmend lockerer und schon kamen wir mit unseren Tischnachbarinnen ins Gespräch. Die Offenheit und Aufgeschlossenheit der Kölner begeisterte mich von Tag 1 an und trübte bis zu dem Ende unserer Reise kein bisschen ein. Nicht nur, dass wir so viele wunderbare Gespräche mit Fremden geführt haben, es stellte sich heraus, dass dabei sehr interessante Kontakte entstehen können. Einer davon war die nette Dame am Nachbartisch, die uns zwei Tage später kostenlose Tickets für das (welt-)bekannte Schokoladenmuseum in Köln organisieren würde. Ein anderer war ihre Begleitung, die „bekannteste Stimme Kölns“ – DIE Radiomoderatorin der Stadt. Wenn das mal kein Zufall ist…

Stunde um Stunde verging und als ich mich um kurz nach zehn in dem Restaurant umsah, waren wir vier die letzten Gäste zwischen den bereits hochgestellten Stühlen an den Nachbartischen. Als Berliner ahnt man, dass nun ein harscher Rauswurf seitens der Barkeeper der nächste Schritt wäre. Doch Köln ist nicht Berlin. Gerade als wir bezahlen und das PizzaPastaLucca verlassen wollten, gesellte sich unsere Kellnerin zu uns. Sie hatte mitbekommen, dass wir nicht aus der Stadt waren und so erhielten wir statt einer muffligen Ansage zum Thema Ladenschluss einen Zettel voll Insidertipps für die kommenden zwei Tage. Das nenn ich mal Gastfreundschaft.

Nach einem letzten gemeinsamen Schnaps mit unseren neuen Bekanntschaften stolperten wir gegen halb 11 gut gelaunt auf die Straßen der Altstadt. Die Nacht war noch jung und jetzt, wo wir wussten, wie viel es hier zu entdecken gab, wollten wir gleich loslegen. Also spazierten wir geradezu Richtung Dom und Hohenzollernbrücke. Der Schnaps brannte noch immer in der Kehle und so machten wir uns auf die Suche nach einem Späti um dem entgegenzuwirken – hier in der Innenstadt sollte es ja zahlreiche geben. Die Angelegenheit stellte sich als schwieriger als gedacht heraus und so blieb uns keine andere Wahl, als ein paar Passanten zu fragen. Dass die Leute hier ganz nett zu sein scheinen, haben wir ja nun festgestellt. Ein paar Typen in unserem Alter wirkten als kannten sie sich aus und so fragte ich sie, wo es denn nun den nächsten Späti gebe. Sie schmunzelten erst über meine Ausdrucksweise, hier sprach wohl keiner von einem Späti als vielmehr von einem Kiosk. Dann lauschten sie mit großen Augen als ich sagte, dass ich aus Berlin käme und begonnen hatte ein wenig von meiner Heimatstadt zu erzählen. Eine ganze Weile standen wir dann einfach alle am Rheinufer, den Dom im Rücken, vor uns die wundervolle Aussicht auf das andere Ufer, die Altstadt und die Lichter des Hafens und unterhielten uns über Städte, Menschen und das Leben in der Großstadt. Die Suche nach dem Kiosk war beinahe vergessen, als wir zum zweiten Mal an diesem Abend überrascht wurden und die Jungs uns sagten, sie würden uns noch bis dorthin begleiten.

Eine halbe Stunde später saßen wir, wieder zu zweit und endlich mit einem Durstlöscher in der Hand, wieder am Rhein und ließen den ersten eindrucksvollen Abend ganz entspannt ausklingen.

Tag 2

Der nächste Morgen war brutal. Von der ausgelassenen Stimmung des Vorabends war nichts als eine verkaterte Version meiner Selbst übriggeblieben. Doch das ist nichts, wogegen eine kalte Dusche und ein starker schwarzer Kaffee nicht ankommen würde. Nach einem simplen Frühstück im Apartment starteten wir hochmotiviert in unsere Sightseeing-Tour. Es stand eine Menge auf dem Plan; erstes Ziel: natürlich der Dom. Ich bestand auf die obligatorische touri-hafte Fotosession bevor wir uns weiter in Richtung Hafen bewegten. Wir passierten die bekannten Krankhäuser, die auf Bildern irgendwie beeindruckender gewirkt haben und machten schließlich einen Schlenker in Richtung Südstadt. Nach all den urbanen Einblicken sehnten wir uns nach etwas Grün, unser nächstes Ziel sollte der „Volksgarten“ sein. Ein wenig erinnerte er mich an den Volkspark Friedrichshain – nur viel kleiner. Nach einer kurzen Verschnaufpause – immerhin waren wir nun schon fast drei Stunden unterwegs – ging es weiter zum Belgischen Viertel. Dem Stadtteil eilt der Ruf voraus, nur so von kleinen Cafés und Restaurants in süßen altmodischen Gassen zu wimmeln. Da wurde uns nicht zu viel versprochen. Wundervolle, außergewöhnliche Boutiquen und natürliche jede Menge Brauhäuser verliehen dem Viertel einen ganz besonderen Charme. Auch hier zeigten sich die Menschen wieder als unglaublich freundlich und hilfsbereit, als zwei verlorene Mädchen zwischenzeitlich Probleme hatten, sich in der neuen Stadt zurecht zu finden. Nach fast 15 Kilometer Fußmarsch fielen wir am Nachmittag erschöpft ins Bett.

Ich habe schon immer auf einen guten Power Nap geschworen und an diesem Tag hat er sich wieder einmal bezahlt gemacht. Denn am Abend ging es schon wieder zu Fuß weiter, nämlich zu einem der zahlreichen Brauhäuser am Hafen. Wir wären schließlich nicht wirklich in Kölle gewesen, hätten wir nicht mindestens ein original Kölsch getrunken. Aus einem wurden letztendlich vier – wer weiß schon, wann wir das nächste Mal in den Genuss kommen?

Tag 3

Unser letzter Tag vor Ort war angebrochen und sollte noch so einige Erlebnisse für uns bereithalten. Noch vor dem Frühstück wurden wir mit der Nachricht beglückt, nun im Besitz zweier kostenloser Eintrittskarten für das Schokoladenmuseum sowie das gegenüberliegende Riesenrad zu sein. Wir hatten so zu sagen das Goldene Ticket gezogen.

Das Schokoladenmuseum war überwältigend. Auf 4000 m² gab es so viel mehr zu entdecken als nur Schokolade, es war wie eine Reise durch die Geschichte des Kakaos. Schokolade trifft Kultur. Ein voller Genuss für alle, die beides mögen und genügend Zeit mitbringen. Fast zwei Stunden später verließen wir das gut duftende Gebäude wieder und genossen unsere Fahrt im Riesenrad. Das widererwartend gute Wetter spielte uns in die Karten und ermöglichte einen einmaligen Blick auf die gesamte Stadt und darüber hinaus.

Nach all dem geschichtlichen und kakaohaltigen Input aus dem Museum sehnten wir uns nach ein paar ruhigen Minuten am Wasser, am besten mit etwas Schokolade. Die Eisschokolade und der Eiskaffee aus der museumseigenen Confiserie rundeten das gesamte Erlebnis ab und so fühlten wir uns wieder startklar für den letzten offenen Punkt auf unserer Bucket List. Wo man in Köln auch hinhört, alle schwärmen sie von diesem einen Stadtteil: Ehrenfeld. Bekannt für seine mit Street Art verzierten Wände und den Ökoshops klang er auch für mich wahnsinnig reizvoll. Zum ersten Mal auf unserer Reise fuhren wir mit den dortigen Öffis in das etwas abgelegene Viertel. Dort angekommen fühlten wir uns dann plötzlich ein wenig verloren; angeblich befanden wir uns schon auf DER hippen Hauptstraße, die tatsächlich ein wenig an einen Kreuzberger Kiez erinnerte. Und tatsächlich wimmelte es nur so von Straßenkunst. Doch irgendwie erschloss sich uns einfach nicht so ganz, was hier so besonders sein sollte. Es wirkte auf uns alles so unspektakulär, so normal. Ist es die Atmosphäre, die vielleicht nur Einheimische wahrnehmen? Oder der Kontrast zu dem altmodischen Flair der Altstadt? Wir werden es wohl nie erfahren…

Wir liefen noch ein wenig durch die großen und kleinen allesamt wenig aufregenden Straßen von Ehrenfeld und beschlossen nach einer geschlagenen Stunde, dass wir genauso gut wieder zurückfahren konnten.

Zurück in der Altstadt trennten sich zum ersten Mal unsere Wege: während ich für mich beschlossen hatte, nicht zurück nach Berlin fahren zu können ohne vorher die berühmte Schildergasse, DIE Shoppingmeile der Stadt, gesehen zu haben, zog sich Rike bereits ins Apartment zurück. Wirklich verpasst hatte sie da dann auch nichts, aber für mich gehört (Window-) Shopping halt einfach zum Städtetrip dazu.

Wieder im Apartment hieß es dann: Packen. In weniger als 24 Stunden würden wir schon wieder auf dem Weg in die Hauptstadt sein. Doch was wäre ein Abschied ohne ein würdevolles Abschiedsessen?! Da sich das Wetter noch immer dem Wetterbericht zu Trotz von seiner besten Seite zeigte, wagten wir uns in ein nobel aussehendes Lokal mit schönem Outdoorbereich mit Rhein-Blick. Dass der Selfservice sowohl für Getränke- als auch für Speisebestellungen galt, verwunderte mich zunächst ein wenig, doch für ein gutes Menü am letzten Abend würde ich auch ein paar Minuten Anstehen am Speisewagen in Kauf nehmen. Mindestens eine halbe Stunde später war ich nun fast beim Bestelltresen angelangt, als plötzlich feierlich verkündet wurde, dass ihnen das Essen ausgegangen sei. Mit knurrendem Magen verließen wir diesen seltsamen Ort also wieder und kehrten zurück in die mittlerweile sehr vertraute Altstadt.

Der Verzweiflung schon ziemlich nah fanden wir schließlich nach langer Suche doch noch ein etwas abgelegenes aber nicht weniger schönes italienisches Restaurant. Ob es dem vom ersten Abend das Wasser reichen könnte? Und ob! Das „Mama trattoria“ bot eine riesige Vielfalt italienischer Spezialitäten mit modernem Touch. So gab es hier etliche vegane und low carb Angebote, die mein Herz höherschlagen ließen. Das Highlight des Abends war jedoch die hausgemachte Himbeer-Lavendel-Limonade, die eine willkommene Abwechslung zu den vergangenen zwei alkoholreichen Abenden bot. Ein unerwartet langes Gespräch mit der freundlichen jungen Kellnerin bewies noch einmal die Aufgeschlossenheit der Kölner, die man aus Berlin einfach nicht gewohnt war und mir bestimmt bald fehlen würde…

Fazit

Ich bin verliebt! Die Stadt und die Leute sind einfach toll und obwohl sie flächenmäßig nicht einmal auf die Hälfte von Berlin kommt und einwohnertechnisch der Hauptstadt sogar um fast 3 Mio unterlegen ist, hat sie vor allem zwischenmenschlich so viel mehr zu bieten. Ob das nun alles nur Fassade ist oder die Kölner wirklich offener sind, lasse ich mal dahingestellt. Fakt ist aber, dass wir Berliner, wenn es um den ersten Eindruck geht, uns wirklich eine Scheibe von den Rheinländern abschneiden können.

Meine Top Tipps für Köln:

  • Dom
  • Hohenzollernbrücke
  • Schokoladenmuseum
  • Riesenrad
  • Kennedy-Ufer
  • Belgisches Viertel
  • Brauhaus (z. B. Päffgen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.